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Gerlinde Ruff Karin Kneissl
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Hausboot-Kalender zum Ausdrucken

Kalender
Reiseberichte | Canal Leteral
 

Eine Hausbootfahrt auf dem
Canal latéral á la Loire / Burgund


Start / Ziel

 

Schleusen

 

KM

 

Besonderheiten

 


Eigentlich wollten wir ja nur unsere Doppelkopfkasse bei einem feudalen Essen niedermachen. über die Zeit hatte sich ein nettes Sümmchen angesammelt, und da wir alle die französische Küche zu schätzen wissen, kam der Vorschlag, doch gleich Urlaub in Frankreich zu machen. Vielleicht ein Hausboot mieten ? So entwickelte sich langsam das Vorhaben "Bootfahren auf einem Kanal in Frankreich ... "

Etwas problematisch war der zur Verfügung stehende Zeitrahmen. Wir fanden nur ein gemeinsames Zeitfenster zwischen dem 29.09. und dem 18.10.2000. Das war etwas spät im Jahr, wie sich zeigen sollte.

Wir besorgten Prospekte, Hans wertete systematisch aus nach Gegend, Zeitraum, Bootstyp und Preis, und so kamen wir zu der "LINSSEN-Jacht", der "Glenn Miller", mit der Basis Briennon an der Loire. Daß der erwählte Hausboot-Vermittler ausgerechnet seinen Sitz in Hirschlanden hatte, erleichterte bei der Planung einiges.

Freitag, 29.09.2000

Wir trafen uns wie geplant um 10 Uhr mit Heide und Hans am Rasthaus Pforzheim und fuhren  bei schönstem Wetter mit einem Tankstop bei Freiburg und einer Mittagsrast auf einem Autobahn-Rastplatz in Frankreich bis nach Beaume. Dort war die übernachtung geplant. Wir machten Quartier in einem Motel und gingen "downtown"! Und es fing ganz leicht an zu regnen.
Beaume ist ein wunderschönes Städtchen mit Stadtbefestigungen, einem alten Stadtkern und viel alter Bausubstanz. Kern unserer Besichtigung war das Hôtel-Dieu, ein mittelalterliches Krankenhaus, das noch perfekt erhalten ist. Zum Tagesabschluß gingen wir gepflegt essen (Gockel in Weinsoße).

Samstag, 30.09.2000

Nach einem weiteren Stadtbummel und bei wieder besserem Wetter fuhren wir über Landstraßen weiter. Nach weiteren Besichtigungen und Fahrt durch eine reizvolle Landschaft standen wir um 17.30 Uhr in der Basis "Marins d'eau douce" und ließen uns das Boot zeigen. Eine Dame sprach Englisch, aber die gesamten Verhandlungen und Einweisungen liefen in französisch! Da war Hans mit seinen Französischkenntnissen ganz schön gefordert! Es ist ja schließlich ein Unterschied, ob man eine lockere Konversation in französisch führt oder ein Fachgespräch auf einem Gebiet, in dem vieles neu ist!

Nun kam die große Einräum-Aktion! Zunächst konnten wir kaum glauben, daß wir in diesen Fächern alles unterbekommen würden. Doch dann kam hier noch ein Fach und da noch eine Klappe hinzu und als alles verstaut war, hatten wir noch Platz übrig. Insbesondere die etwas schwieriger zugänglichen Stellen wie unter der Sitzbank oder unter den Flurplatten wurden nicht voll genutzt.

Bis alles an seinem Platz war, zwischendurch wurde gevespert, war es 22.00 Uhr. Wir haben uns noch ein Gläschen Rotwein genehmigt und sind dann in unsere Kojen gekrochen und haben tief und fest geschlafen.

Das Boot

Hans und Heide wohnten achtern in der Kajüte, Ursula und ich vorn im Bug in zwei V-förmig zueinander stehenden Betten, die etwas an den Alkoven im Wohnmobil erinnerten. In Brustbereich begannen die schräg stehenden Fenster und in Kopfbereich war die Raumdecke so hoch, daß wir sitzen konnten. Unter den Betten war etwas Stauraum.

Eine Tür trennte unser Schlafgemach vom Küchenbereich an Steuerbord. Gegenüber der Küche war unsere Dusche mit WC. Das Marine-Klo mit der Pumpe erforderte gewisse Techniken, ebenso die Benutzung der Dusche. Während des Duschens mußte immer wieder eine Pumpe betätigt werden, die das Duschwasser außenbords beförderte und eine allgemeine überschwemmung des gesamten Klo-Bereichs verhinderte. Listigerweise lag der Bedienknopf hierzu bei unserer Dusche außerhalb der Reichweite des Duschenden, was die Inanspruchnahme der Hilfe einer weiteren Person notwendig machte ....

Weiter nach achtern ging es entweder über einen Niedergang hoch ins Freie, oder die Stufen hinab an unserem Kleiderschrank vorbei in die Kajüte. Dort stand ein Doppelbett. Trotz der Körpergröße von Heide und Hans hörten wir keine Klagen über Raumnot. Lediglich in der anschließenden WC/Dusche ging es etwas enger zu.

Die Küche war recht ordentlich mit Geschirr und Besteck ausgerüstet und stellte keine besonderen Anprüche an ihren Betrieb. Hinter Küche und Klo ging es einige -steile!- Stufen hinauf in den Wohnbereich, in dem sich auch der innere Steuerstand befand. Wenn wir anfangs geglaubt hatten, das Boot bei schlechtem Wetter von dort aus fahren zu können, dann hatten wir uns gründlich getäuscht! Auch bei Regen mußte man ja immer wieder hinaus und kam mit nassen Kleidern in die Kabine zurück. Dort gaben diese ihre Feuchtigkeit an die geheizte Luft ab und von dort kondensierte das Wasser sofort wieder an den Fensterscheiben, schneller, als man wischen konnte. Einen Scheibenwischer an der Frontscheibe außen gab es auch. Aber der zuckelte nur wenige Zentimeter hin und her, so daß bei Regen auch deswegen die Sicht gleich Null war. Außerdem war der Sichtbereich recht mäßig und für knifflige Fahrabschnitte, z. B. beim Schleusen, nicht ausreichend. Folge: Wir fuhren das Boot bei jedem Wetter von außen.

Der Wohnbereich mit seiner U-förmigen Sitzbank um den Tisch war sehr gemütlich. Besonders am Abend, wenn die Beleuchtung zur Gemütlichkeit beitrug. Die war hervorragend zum Munkeln geeignet, aber wir wollten Karten spielen! Also wurde eine unserer Taschenlampen mit einer Schnur über dem Tisch plaziert, wo sie die ganze Reise über malerisch baumelte. Und wir konnten wieder Pik 7 von unserer Herz-Dame unterscheiden.

Unter den Flurplatten des Wohnbereiches grummelte während der Fahrt der Dieselmotor. Er war nicht sonderlich laut.  36 PS für ein 40 Tonnen schweres Boot, da kamen während des Manövrierens Gefühle auf wie bei einem Großtanker! Der Motor durfte nicht stärker sein, damit in  den Kanälen die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 6 km/h nicht überschritten wurde.

Stieg man den Niedergang hoch durch Klappe/Luke ins Freie, stand man beim äußeren Steuerstand auf dem Achterdeck. Dort war ein Gartentisch mit vier Gartenstühlen. Leider konnten wir nicht oft Gebrauch davon machen, da das Wetter oft zu naß und zu kalt war.


Wie gesagt, wir fuhren das Boot immer vom Achterdeck aus am Steuerrad stehend. Ursula und ich mit unserer Körperkürze konnten dies auch genußvoll tun. Für Heide und Hans war der senkrechte Aufenthalt auf dem Achterdeck nicht ganz ohne Tücken. Fuhren wir unter einer Brücke hindurch, mußten sie sich immer ehrfurchtsvoll verbeugen.
Vom Achterdeck aus gelangte man seitlich rechts oder links am Aufbau vorbei nach vorn auf die Back. Dort befand sich eine Klappe, in dem der Schlauch zum Wasserfassen verstaut war. An den Anlegestellen bei den Ortschaften waren Zapfsäulen, an denen man Wasser tanken konnte, ebenso gab es  einen Stromanschluß.  Unser Wassertank faßte 500 Liter. Stromanschluß zu haben war sehr erstrebenswert. Strom bedeutete warmes Wasser am Morgen. Und das bedeutete duschen, Haare fönen können und rasieren können! Und unbegrenzt Heizung! Anfangs gab es Probleme mit den Steckern, als wir dann in einem Supermarkt einen echt französischen Stecker kauften und ihn anstelle des Rasierkabelsteckers montierten, war die Welt wieder (fast) normgerecht. Warmes Wasser gab es  bei laufendem Motor.

Sonntag, 01.10.2000

Heute geht es los! Um 7.30 Uhr klingelte der Wecker, damit wir ja unseren Einweiser nicht verpassen, der für 9.00 Uhr angesagt war. Heide holte Brötchen und mißtrauisch schnupperten wir nach draußen in den feuchtkalten Morgen. Der Einweiser mit dem flotten Französisch, der uns gestern Dusche, Klo und Heizung erklärt hatte, erschien wieder und plapperte munter drauf los. Nix compris! Dann wurde der Motor angelassen und bald waren wir zur Einweisungsfahrt unterwegs. Ich durfte  steuern und legte eine Serie heftiger Zacken auf das ruhige Kanalwasser. Dann kam die erste Schleuse, und nach einigem Tuten erschien auch der Schleusenwärter. Wir schleusten hoch, wendeten, schleusten wieder runter, und alles erschien so einfach. Er zeigte uns, wie man anlegt, so schön 45 ° mit dem Bug an die Kaimauer, sprang ab, gab uns einen Schubs und sagte adieu und bon voyage! Wir allein auf dem Boot und keine Ahnung was ist wenn ... zu spät! Wir waren unterwegs!

Nur ruhig Blut! Langsam ertasteten wir uns ein erstes Bootsgefühl. Wie reagiert das Boot wann? Wie arg und wie schnell muß man beim Geradeausfahren korrigieren? Und in der Kurve? Bei jeder Engstelle herrschte Zustand. Vorn stand an jeder Seite eine unserer Damen, den Boothaken griffbereit zum Abstoßen. Und wir hinten kämpften uns durch!

Das erste große Ausflugsschiff kam uns entgegen. Gott sei Dank an einer breiteren Stelle des Kanals und alles ging klar. Nun war Mittag und es wurde Zeit für das erste Anlegemanöver. Ich wollte seitlich anlegen, der erste Versuch mißlang und ich stand mit dem Boot plötzlich senkrecht zum Ufer. Also gaanz langsam zurück, sich zusammengerissen, nochmals anfahren und siehe da es klappte. Ganz sachte legten wir seitlich an! Geht doch ... Nun wurden die Nägel eingeschlagen, das Boot vertäut und Mittag gemacht. Wir hatten die ersten 7 km gemeistert.

Nach der Mittagspause ging es immer besser. Engstellen wurden zu übungsstellen für die Schleusen erklärt! Und dann tauchte die erste der drei Schleusen bei Artaix auf. Läppisch, dachte ich. Doch das Boot reagierte ganz anders und die Einfahrt wollte nicht klappen! Leicht entnervt übergab ich Hans das Steuer und plötzlich waren wir drin! Das Festmachen usw. klappte, und erleichtert fuhren wir unten aus.
Nun kam die nächste Schleuse. Diesmal war Hans am Steuer und was war? Nun stand Hans quer vor der Schleuse. Irgendwie mit Abstoßen und Rückwärtsgang kamen wir wieder von Land klar und landeten in der Schleuse.


Die dritte Schleuse klappte einigermaßen, aber wir wollten dahinter anlegen zum übernachten. Hans wollte unbedingt zwischen einem Betonsteg und einem Ufervorsprung anlegen. Es war herrlich! Wir haben da hin und her gezackt, standen senkrecht zum Ufer oder parallel mit zu viel Abstand und die Leute, die etwas weiter vom Ufer aus zuschauten, schlugen sich vor Vergnügen auf die Schenkel. Aber irgendwann, irgendwie hatten wir es geschafft und waren an Land.
Die ganze Zeit über bemerkte ich zwar den Wind, aber dass er uns sowohl beim Schleusen als auch beim Anlegen dermaßen die Tour vermasseln könnte, ist mir erst jetzt klar nach der reichlichen Erfahrung von zwei Wochen Kanalfahrt!

Zum Abreagieren haben wir zunächst eine Runde Boule gespielt und dann marschierten wir zum 2,5 km entfernten Ort Marcigny und haben dort in  der Bar du Marche sehr gut gespeist. Ursula bekam ein Omelett mit Salat und wir restlichen drei je ein tolles Pfeffersteak.
Spät abends an Bord gab es noch eine Runde Doppelkopf, aber als wir übermüdet einige Male feststellten, daß wir Mühe hatten, uns den jeweiligen Spielpartner zu merken, tauchten wir ab in die Kojen.

Montag, 02.10.2000

Nun mußten wir ja aus unserem kniffeligen Parkplatz wieder ablegen. Aber oh Wunder, es klappte wunderbar (vielleicht, weil die Zuschauer fehlten?), und auch die nächste Schleuse mit stolzen 7,2 m Höhe ging klar.

Das Wetter wurde immer schlechter. Es kam starker, böiger Wind auf mit starken Regenschauern. Das Boot wurde immer bockiger, und wir hatten Mühe es auf Kurs zu halten.

Die letzten drei Schleusen vor der Einmündung in den Canal du Centre klappten, wenn auch nicht immer ohne Bammel. "Schleusentor auf oder zu ??" Wenn sich unmittelbar vor der Schleuse noch eine Kanalbrücke befindet ist es schwierig festzustellen, was zur Brücke gehört und was zur Schleuse.

Nun nahte eine 4 m-Schleuse in Digoin, unsere erste hohe Schleuse aufwärts. Dabei besteht immer das Problem, daß man tief unten in der Schleuse ankommt, das Boot aber oben an den Pollern fest machen muß! Die Regel der Kunst besagt: Entweder vorher ein Bootsmitglied an Land absetzen oder an der glitschigen Leiter nach oben steigen, mit der Leine in der Hand! Diesmal half uns aber der Schleusenwärter, der mit dem Bootshaken die Leinen nach oben zog und um die Poller legte.

Unmittelbar hinter der Schleuse befand sich die große Kanalbrücke über die Loire. Hans war am Steuer und schaffte es, bei Regen und Sturm so gut wie ungestreift über die lange schmale Passage zu kommen. Das gab Mut und erleichtert und mit einiger Eleganz legte ich das Boot im Bootshafen von Digoin am Bootssteg an, direkt vor der Versorgungssäule mit Strom und Wasser! Bald erschien auch schon der Hafenmeister und kassierte 33,00 Ffr für den Stromanschluß.

Dienstag, 03.10.2000

Unser nächstes Ziel war Paray le Monial mit der romanischen Basilika. Bei der ersten Schleuse kam uns ein dicker Frachtkahn entgegen. Solche Brummer fahren hier noch, wenn auch die meisten umgebaut sind und im Innern eine große Wohnung haben.
Auch die zweite und dritte Schleuse aufwärts war kein Problem. Bei nur weniger als 2,5 m kann man die Leinen vom Boot aus um die Poller legen oder über die Reeling des Achterdecks auf die Schleusenmauer steigen.

In Paray le Monial  fanden wir eine gute Pier mit Versorgungssäulen vor. Wir zahlten 30,00 Ffr Hafengebühr. Vom Boot aus hatten wir  eine herrliche Sicht auf die Kathedrale. Heide und Hans machten sich auf mit den Rädern und besuchten ein Schloß in der Nähe. Ursula und ich dagegen gingen in die Stadt, besichtigten in aller Ruhe die aus dem 11. Jahrhundert stammende echt romanische Kathedrale SacrĂ©-Coeur sowie die Altstadt mit dem Rathaus und suchten  nach einem geeigneten Lokal für den Abend. Im Hôtel du Champ de Foire wurde getafelt und Rotwein genossen. Spät abends schleppten wir unsere vollen Bäuche zurück zum Boot.

Mittwoch, 04.10.2000

Die Rückfahrt war eine der schönsten und ruhigsten Streckenabschnitte der ganzen Reise. Die Sonne schien, es war einigermaßen warm und es gab keinerlei fahrerische Probleme. Auch die Fahrt über die Loirebrücke war fast schon ein Genuß.
Unser nächstes Ziel war Pierrefitte-sur-Loire. Davor lag die Schleuse Oddes mit einer Kanalbrücke davor. Schleuse auf oder zu??? Hans kam ganz schön in Rage, weil Heide und ich uns nicht klar werden konnten. Die Brücke davor täuschte sehr. Wenn in der Schleuse ein Boot war und uns auf der Brücke entgegenkommen würde? Aber Heide behielt recht, denn das Tor war offen und es kam auch keiner.  Der Ort war ein wunderschönes altes Dörfchen, doch leider führt die Rue Nationale No. 79 durch. Ein LKW nach dem anderen durchraste die enge Dorfstraße. Bei "Tante Emma" kauften wir das Nötigste und gingen in ein Touristenlokal am Campingplatz zum Essen.

Donnerstag, 05.10.2000

Kalt und Nieselregen! So empfing uns der neue Tag. Um 9.30 Uhr waren wir an der Schleuse Theil angemeldet. Wir waren zeitig da,  aber die Schleuse war zu, also legten wir an und sicherten das Boot mit einem Nagel. Nach einiger Zeit ging die Schleuse auf und heraus kam ein riesiger Lastkahn. Zunächst recht langsam aber als er auf unsere Höhe kam, nahm er mächtig Fahrt auf und seine Bugwelle wurde immer größer. Heide, die an Land war, bekam von mir noch eine Bugleine zugeworfen, aber die Gegenströmung zwischen Lastkahn und Ufer zog uns vom Ufer weg. Der Nagel wurde herausgerissen, Heide konnte mit großer Mühe noch die Bugleine halten. Sie versuchte unser Boot wie einen wildgewordenen Gaul zu bändigen, aber wir schwenkten mit dem Heck in den Ansaugstrudel der Schiffsschraube. Leicht bummsten wir mit der Scheuerleiste gegen das Heck des Frachters und dann war der Spuk vorbei. Wir hatten alle weiche Knie bekommen. Wir hatten die Gewalt des sicherlich zu schnellen großen Schiffes völlig unterschätzt. Die Weiterfahrt verlief ohne Probleme. In Garnat-sur -Engiévre an einem feudalen Bootssteg wurde für die Nacht festgemacht.

Freitag, 06.10.2000

Morgens ging es relativ bald los, denn wir hatten uns am Vortag um 9.30 Uhr an der Schleuse angemeldet. Ungestreift ging es weiter. Mittags legten wir in Nogent an. Nach einer viel zu kurzen Siesta ging es weiter bei kühlem Wetter und bedecktem Himmel und nach 3 Schleusen und 11 km legten wir in der Nähe von Decize an. Wir blieben aber mit unserem Boot im Canal latĂ©ral Ă  la Loire, um die automatischen Schleusen am Stichkanal in Richtung Stadt zu sparen. Wir nutzten die Gelegenheit anderen Booten beim Schleusen zuzusehen, und das tat unserem Selbstwertgefühl richtig gut! Die können es auch nicht besser ...
Anschließend war Stadtbummel angesagt. Das kleine romantische Städtchen ist malerisch zwischen zwei Loire-Armen gelegen und besitzt neben den Loirebrücken und einer Burg eine uralte, romanische Kirche, die wir besichtigt haben.

Samstag, 07.10.2000

Die Nebelschleier lagen noch über dem Wasser, als wir morgens Richtung Nevers lostuckerten.  Nach einer Mittagspause in Avril sur Loire und einigen ordentlich passierten Schleusen kamen wir am frühen Nachmittag vor den Schleusen von Nevers an. Wir hatten tags zuvor in Decize gut zugeschaut und so meisterten wir auch die Automatikschleusen zum Hafen von Nevers.

Bei diesen Schleusen muß man sich an einer Art Galgen anmelden, indem man mit dem Boot die herunterhängende Stange anfährt und dann die Stange dreht. Eine Ampel regelt die Einfahrt in der Schleuse. Nach der Einfahrt schiebt man eine Stange nach oben, wodurch das Schleusenprogramm gestartet wird. Die Einfahrtstore schließen sich, die Flutklappen öffnen sich und die Schleuse läuft voll bzw. leer, die Flutklappen schließen wieder und die Ausfahrtstore öffnen sich, alles vollautomatisch! Es gibt keine unnötigen Wartezeiten. Dafür entfällt aber der Plausch mit dem Schleusenwärter. Im Hafenbecken suchten wir einen Anlegeplatz.
Der Blick über die Loire auf die Kathedrale und die Loirebrücke ist wirklich malerisch. Zumal bei einbrechender Dunkelheit sich die Lichter in dem Wasser spiegelten. Wir machten einen kurzen Abendbummel durch die Stadt.

Sonntag, 08.10.2000

Am nächsten Morgen marschierten wir nochmals nach Nevers. Hauptziele waren die Kathedrale, die echt romanische Kirche Saint-Étienne und die uralte Fayence-Manufaktur! Mittags nach der Rast ging es durch die beiden Schleusen zurück in den Canal latĂ©ral Ă  la Loire.  Das Wetter war kalt und der Regen wurde immer stärker, so sparten wir uns den Abzweig zu der technisch interessanten Zweifachschleuse GuĂ©tin und drehten um auf Heimatkurs. Am Abend machten wir vor der Schleuse in Fleury-sur-Loire am Kanalufer fest.

Montag, 09.10.2000

Am nächsten Morgen beim Frühstück begann das Boot "unmotiviert" zu schaukeln und vor den Fenstern an Backbord wurde es dunkel!  Ein großer Frachter aus der Schleuse  schüttelte uns durch. Aber keine Sorge, die Leinen an Land hielten! Das war das Zeichen zum Aufbruch, denn der Schleusenwärter war da ! Das Wetter wurde besser und wir machten die große Tagesstrecke von 28 km bis nach Vanneaux. Wir übten reichlich das Schleusen aufwärts und Ursula und Heide wurden zu Experten in "an-Land-springen", "Leiter steigen" und "Schleusen bedienen". Insbesondere Heide war begeistert, so daß sie als sportliche Einlage uns noch die Rolle vorwärts über die Schleusenstange vorführte. Danach hatte sie allerdings etwas Sand an der Nase und ihre Schienbeine waren auch nicht begeistert.

 

An diesem Tag konnten wir endlich einmal die Sonne geniessen. Dies war auch der einzige Tag an dem Ursula die Muse fand, sich in Sachen Handarbeit zu betätigen. Dabei hatte sie so große Erwartungen und eine ganze Tüte voll Arbeit mitgebracht.
Vanneaux ist der Hafen, in dem ein anderer Bootsverleih seine Basis hat. Die Anlegestelle ist gut ausgerüstet mit Wasser und Strom. Hier konnten wir auch einmal ein Boot von unten ansehen, denn in der Basis war eines zur Reparatur an Land gezogen worden.
Im nahe gelegenen Gannay-sur Loire war zunächst "tote Hose", aber als wir am einzigen "Tante-Emma -Laden" an der geschlossenen Tür probierten, machte uns die Verkäuferin freundlicherweise auf. Auch das Restaurant, das eigentlich geschlossen hatte, bot uns ein Abendessen an und wir reservierten für den Abend.  Die Schnitzel waren vorzüglich, ebenso die Nachspeise und der Kaffee.

Dienstag, 10.10.2000

Nach dem Ablegen mußten wir an der Basis vorbei. Lag doch da eines der Boote mitten im Kanal, nur an der Vorderleine befestigt. Die Kunststoffleine am Heck schwamm im Fahrwasser und ich manövrierte mit Mordsrespekt daran vorbei. Denn eine solche Leine in der Schraube ist ein wahrer Alptraum!
In Beaulon hinter der Schleuse war Mittagspause. Das Restaurant des Ortes lag preislich außerhalb unserer Toleranzgrenze. Wir machten eine kleine Besichtigungsrunde, kauften etwas ein und gingen zurück zum Boot zum Vespern. Das Wetter ist regnerisch und sehr windig, so daß das Einfahren in die Schleuse wieder anstrengender wird. Beim Einfahren in die Schleuse Besbre kam Hans aus dem Kurs und wir landeten unfreiwillig am Ufer. Heide und Ursula sprangen an Land, um uns abzustoßen, was nur mit einiger Mühe gelang, denn der Wind trieb uns immer wieder auf das Land zu. 
Der nächste Ort hieß Diou und lag wieder an der furchtbaren RN No. 79. Die Anlegestelle war gut, es gab Wasser und unmittelbar hinter der Pier war ein Supermarkt. Heide und Hans erkundeten das "Restaurantdela Gare". Es war gut und sehr reichlich! Insbesondere der Nachtisch -  ein guter Apfelkuchen.

Mittwoch, 11.10.2000

In der Nacht war ein richtiges Sauwetter. Der Regen trommelte an Deck und das Boot lag im Wind sehr unruhig. Die Leinen ächzten und auf dem Achterdeck über die Kabine von Heide und Hans verführten die Gartenmöbel die reinsten Tänze, daß es durch das ganze Boot schepperte.
Am Morgen beruhigte sich das Wetter wieder. Mittags in Molinet, dann weiter in den Canal de Roanne Ă  Digoin eingebogen und zur Schleuse Beugnets. Da kein Schleusenwärter da war mußten wir warten.
Plötzlich tauchte unsere "Halbschwester" aus Briennon, die Mozart auf. Auch sie mußte warten und legte an der gegenüberliegenden Kanalseite am nicht befestigten Ufer an. Prompt fuhren sie sich am flachen Ufer fest, denn die Leute waren ja erst ein paar Tage unterwegs und hatten noch nicht "unsere Erfahrungen".

Am Point de la croix-Rouge legten wir an. Poller waren keine da, also bemühte Hans die Nägel und den Fäustel. Hans beförderte den Hammer mit Schwung von Land aus unter die Leiter, dieser prallte ab und verschwand mit einem dumpfen "Pflupf" durch das Speigatt zurück in den Spalt zwischen Boot und Ufer! Großer Schreck! Ich dachte schon an das kalte, schmutzige Wasser und an meine Badehose, aber jemand kam auf die Idee mit dem Bootshaken die Wassertiefe zu erstochern. Was, so wenig? Heide krempelte entschlossen den ärmel hoch, legte sich auf den Bauch und brachte das gute Stück tatsächlich wieder zum Vorschein. Puh, noch mal gutgegangen.

Donnerstag, 12.10.2000

Die Besonderheit des Tages war unsere höchste Schleuse aufwärts, die 7,2 m hohe Schleuse BourgleComte. Aber wir waren nun gut trainiert.
Den letzten Abend unterwegs verbrachten wir in einem einsamen Hafen und Campingplatz bei dem Dorf Artaix. Heide und Hans fuhren mit den Rädern nach St.-Martin-du-Lac und Ursula und ich spazierten in das Dorf und in die Umgebung. Es war wirklich einsam! Kein Laden, kein Restaurant, nichts ... Am Abend wurde selber gekocht und anschließend Karten gespielt.

Freitag, 13.10.2000

Auf dem Weg zurück zur Basis Biennon gab es keine Schleusen mehr. In Briennon legten wir an unserem Bootssteg an. Heide versorgte uns mit Pizza und wir schliefen uns gründlich aus, anschließend machten wir uns "stadtfein". Mit dem Auto fuhren wir nach Roanne.
Unser erstes Ziel, den Hafen, fanden wir sofort. Wir parkten dort, besichtigten den hafen kurz und wendeten uns der City zu. Dachten wir - denn wir hatten uns so etwa 90° falsch gewendet und landeten in tristen Stadtwüsten. Hans faßte sich ein Herz und fragte eine Passantin nach dem Weg, aus dem erschütterten Blick der netten Dame schlossen wir sogleich, daß wir doch gründlich daneben lagen. Wir brauchten eine geraume Zeit, bis wir wieder in der Stadt waren. Ein eilends erstandener Stadtplan brachte uns vollends auf die Spur und wir erlebten eine ansprechende Stadt mit einer schönen Fußgängerzone und einem netten Lokal, in dem wir nun offiziell unser Spielkassen-Essen zelebrierten.

Samstag, 14.10.2000

Nach dem Frühstück räumten wir das Boot aus. Im Büro der Basis machten wir die Abrechnung. Die Kaution bekamen wir anstandslos zurück.  Die kleinen Lackkratzer am Bug des Bootes, die bei unseren diversen Manöverli entstanden waren, wurden demnach als "branchenübliche Gebrauchsspuren" toleriert.

Nachbetrachtung

Das Bootfahren auf den Kanälen in Frankreich hat uns Spaß gemacht. Die Nähe zur Natur ist größer als z. B. beim Urlaub mit dem Wohnmobil: es geht langsamer voran, man befindet sich an Deck im Freien und kann z. B. Gerüche oder das Schreien der Vögel unmittelbar aufnehmen. Oft durchfährt man Gegenden, die nicht durch Straßen erschlossen sind.
Die Jahreszeit: Wir haben sie uns selbst ausgesucht! Doch Regen, Kälte und die kurzen Tage haben sehr großen Einfluß auf den Urlaubsgenuß! Aber die vielen Walnüsse am Kanalufer gibt es nur im Herbst, ebenso die Farbenpracht am Ufer. Nicht zu vergessen die himmlische Ruhe auch  an im Sommer sicher belebteren Plätzen! Wir hätten uns, insbesondere am Anfang, nicht mehr Verkehr auf den Kanälen gewünscht.
Das Fahren und Bewältigen auch schwieriger Passagen muß und kann man sich selbst beibringen: lerning by doing! Wichtig ist dabei, daß alle an Bord ein Team bilden und daß man sich gegenseitig hilft und auch helfen läßt.
An Bord ist man längere Zeit auf engem Raum beieinander. Ausweichen voneinander geht höchstens bis zur nächsten Reeling. Für diese Art Leben muß man geeignet sein und zueinander passen. Ob das der Fall ist, weiß man sicher erst nach der ersten Bootsreise!